In der Region trotz der Region

Immer mehr Detailhandelsgeschäfte schliessen Ihre Türen, sei es, dass keine Nachfolger gefunden werden, sei es weil die Umsätze einbrechen. Auch in Huttwil stehen viele Ladenlokale leer. Es scheint mir deshalb angebracht, hier einige Gedanken zur Entwicklung des stationären Detailhandels in Huttwil (und auch anderswo) weiterzugeben. 

Grundsätzlich ist es richtig, dass der freie Markt, Angebot und Nachfrage über Erfolg und Misserfolg eines Unternehmens entscheiden sollen. Mein eigenes Ladengeschäft für Modelleisenbahnen wurde vor elf Jahren gegründet und konnte dank dem Internethandel aufgebaut und erhalten werden. 90 Prozent meiner Kunden stammen nicht aus Huttwil und Umgebung sondern aus der ganzen Schweiz. 

Das Ladengeschäft seit 2011 mit Standort in Huttwil wäre ohne diese Faktoren nicht mehr rentabel. Dies liegt meines Erachtens nicht in erster Linie am für Huttwiler Verhältnisse "exotischen" Angebot sondern am allgemeinen gegenwärtigen Kaufverhalten aber auch und nicht zuletzt am verfehlten Standortmarketing. 

Das soll kein Vorwurf sein. Es ist einfach eine Tatsache, dass in der Regel Behördenmitglieder, Marketing- und Medienverantwortliche keine Unternehmer sind und sich – da wirtschaftlich abgesichert – selten bis nie Gedanken machen, welche finanziellen Konsequenzen die vielen Aktionen, Anlässe und Belebungsmassnahmen für das lokale Gewerbe haben können. Wenn ich sie nicht schon hätte, dann würden mir heute graue Haare wachsen. Manchmal glaube ich, wenn Gottfried Keller Huttwil gekannt hätte, hätte er die Geschichten aus Seldwyla nicht erfinden müssen. 

Ein konkretes Beispiel bietet der Weihnachtsmarkt, bei welchem das Gewerbe bildlich mit dem "Rücken" zur Wand steht. Die schönen Häuschen stehen allesamt mit dem Rücken zu den Geschäften und die vielen Besucher laufen durch die breite Gasse hindurch ohne das "Dahinter" wahr zu nehmen.

Was das bedeutet? Der Ladenumsatz in der Weihnachtsmarktwoche liegt regelmässig 70 Prozent unter demjenigen der übrigen Novemberwochen. Wirtschaftlich gesehen wäre es deshalb rentabler den Laden die ganze Woche zu schliessen und die Heizung abzustellen. 

Ein zweites Beispiel betrifft die Medienlandschaft, welche im Grossen und Ganzen durch zwei Zeitungen abgedeckt wird. 2017 feierten wir unser 10-Jahr-Jubiläum. Zu beiden Jubiläumsanlässen (April und September) wurden auch Journalisten und Offizielle aus Gemeinde und Gewerbe eingeladen. Trotz Zusage erschien zu beiden Anlässen kein einziger Medienvertreter. Ob das Thema Modelleisenbahn diese intellektuell überfordert hat? 58 von 67 Einladungen (darunter auch Geschäftspartner) blieben unbeantwortet oder es gab kurzfristige Absagen. Es stimmt nachdenklich, wie angesichts von so viel Desinteresse noch Gemeinschaftssinn entstehen soll.  

Fast hätte ich es vergessen! Es gibt doch noch Besuche – etwa die nette Dame, die jährlich Inserate für die Huttwiler Agenda verkauft und die regelmässigen Sponsoringanfragen von diversen Vereinen, deren Mitglieder man sonst nie im Ladengeschäft sieht … 

Trotzdem wird sich unser Geschäft weiter am Standort Huttwil engagieren. So wurde während des Huttwiler Käsemarkts Anfang Oktober 2018 im Stadthaussaal eine Ausstellung zum Thema Hobby Modellbau und Modelleisenbahnen durchgeführt ganz nach der Devise "Es ist nie falsch, das Richtige zu tun!". 

Robert Spörri (Inhaber & Geschäftsführer VinoRail Modellbahnen Huttwil) 


Vinorail Modellbahnen & Weine - Brunnenplatz 18 - 4950 Huttwil
Tel 0041-62-9654650 - E-Mail: modellbahn@vinorail.ch
Öffnungszeiten: Mittwoch und Freitag von 1400 bis 1900,
Samstag von 1000 bis 1600 Uhr, übrige Tage nach Absprache